Mitglieder der Identitären Bewegung Leipzig

Im Gegensatz zum deutlich aggressiver auftretenden Ableger der “Identitären Bewegung” in Halle, der “Kontrakultur Halle”, ist die Leipziger Gruppe kleiner. Jedoch erlauben die Personen in der “ersten Reihe” durchaus Rückschlüsse über die Stellung der IB (Leipzig) innerhalb der rechten Szene. Der genannten “ersten Reihe” werden in Leipzig folgende Personen zugerechnet: Alexander “Malenki” Kleine, Ina Alles, Felix Koschkar, kurzzeitig Fabian Lux und seit kurzem Christian Müller.

Alexander “Malenki” Kleine

Der mittlerweile bekannteste Kader der IB Leipzig dürfte der 1992 geborene Alexander “Malenki” Kleine sein, der nach eigener Aussage seit Juli 2015 bei der Identitären Bewegung aktiv ist und derzeit als Leiter der IB Leipzig agiert. Seit Spätsommer 2016 tritt er gemeinsam mit Philip Thaler (Kontrakultur Halle) im durch “Ein Prozent für unser Land” finanzierten wöchentlichen Vlog “Laut Gedacht” auf [1]. Erstmals öffentlich in Erscheinung trat Kleine am 16. Juli 2016 im Rahmen einer Aktion in Halle, an der sich neben Mitgliedern der Kontrakultur Halle auch Martin Sellner, Jörg Dittus und Fabian Lux von der IB Österreich beteiligten [2].

Kleine war jedoch bereits zuvor in identitären Kreisen aktiv, so konnte er als Fackelträger im Aktionsvideo des mittlerweile eingestellten Projekts “Elsterfunken Leipzig” identifiziert werden. Die “Elsterfunken” lehnten sich in der selbst gewählten Ästhetik stark an die Kontrakultur Halle, sowie die offen neofaschistischen Projekte “Die Unsterblichen” und dem “blocco studentesco” von “Casa Pound” an. [3]

Alexander Kleine (vorn) mit Dorian Schubert (links), Florian Müller (graues Shirt), Jan Scharf (rechts) von der Kontrakultur Halle und mit Martin Sellner (hinter Kleine), Fabian Lux (hinter Müller), Jörg Dittus (hinter Lux) von der IB Österreich bei einer Aktion am 16.07.2016 in Halle


“Laut Gedacht” mit Philip Thaler (Kontrakultur Halle) und Alexander Kleine (IB Leipzig)


Alexander Kleine (ganz links im Bild) in einem Video der identitären “Elsterfunken Leipzig”

Des Weiteren konnte Kleine der inzwischen eingestellte Intagram-Account “zar_niokolaus_2” zugeordnet werden, den er Anfang bis Mitte 2016 aktiv nutze. Da die Inhalte des Accounts gelöscht wurden, folgt eine ausführlichere Analyse. Die Auswertung des Accounts zeigt neben typisch identitären Inhalten, dass Kleine in der Vergangenheit der subkulturellen Naziszene rund um die Lok-Leipzig-Fanszene zuzurechnen war. Laut seiner Selbstinszenierung war er 2011 Kunde des mittlerweile geschlossenen Reudnitzer Naziladens “Fighting Catwalk” [4]. Zudem unterhält er weiterhin Kontakte zu einigen Angreifern auf den Stadtteil Leipzig-Connewitz am 11. Januar 2016, wie beispielsweise zu Kevin Dehn, Thomas Kuhbach, Istvan Repaczki, Florian Horn, Patrick “Pette” Siech, Heiko Busch, Nicklas Bruder, Timo “Teddy” Feucht, Christopher “Joker” Henze, Lukas Barthold und Nik Weber, wie Kleines Kontakte und Interaktionen in unterschiedlichen sozialen Medien zeigen und die er offensichtlich als “#heldenvonleipzig” sieht. [5]

 


Instagram-Accounts “zar_nikolaus_2” und “alex_malenki” von Alexander Kleine mit den Motiven Deutschlandsocke und Oberarmtattoo


Schablonen und Fahnen mit dem Logo der Identitären Bewegung


Alexander Kleine beim “Institut für Staatspolitik” in Schnellroda


Sticker und Hashtags mit Lok-Fanszene-Bezug bei Alexander Kleine


Bezüge von Kleine zur Leipziger Naziszene: Selbstbezichtigung als Kunde des geschlossenen Naziladens “Fighting Catwalk” und Glorifizierung des Naziangriffs auf Connewitz am 11.01.2016

Einige Kontakte von Alexander “Malenki” Kleine: Florian Horn, Patrick Siech, Nik Weber, Nicklas Bruder (Instagram, links); Timo Feucht, Christopher Henze, Lukas Barthold (Instagram, mittig); Istvan Repaczki, Kevin Dehn, Thomas Kuhbach, Heiko Busch (Facebook, rechts).

Während Kleine heute auf seinem Youtube-Kanal u.a. Axt- und Messerwurftutorials veröffentlicht und somit versucht seine Gewaltaffinität als Hobby zu kaschieren, inszenierte er sich zuvor als kampfbereiter Faschist. Dies belegen entsprechende Kommentare und von ihm veröffentlichte Bilder von Kampfsporttrainings, zahlreichen Messern, sowie von Schusswaffen. Auf letztere könnte er als Jäger oder an Jagden Beteiligter legalen Zugriff haben. Verweise auf CasaPound, auf die faschistisch motivierte Kleidungsmarke “White Rex” oder das Zitat “come on let me arm you, train you, make you fascist” (weiter geht es übrigens mit “bring back, right-wing death-squads”) aus dem Song “Fascists” von einer Band namens “Blink 1488” verdeutlichen die rechtsextreme Gesinnung und gewaltverherrlichende Einstellung von Alexander Kleine. [6] Kleines Interesse an Waffen, Gewalt und Faschismus ist ungebrochen und untrennbar voneinander zu betrachten. Deutlich wird dies bspw. auch an seinem Faible für bewaffnete ukrainische Faschisten, denen er unter anderem bei Instagram folgt. Es ist davon auszugehen, dass Alexander “Malenki” Kleine auch im Alltag bewaffnet und extrem gewaltbereit ist. So war Kleine an mindestens einem Angriff auf alternative Jugendliche beteiligt, dabei verwendete er Pfefferspray und einen Teleskopschlagstock.


Alexander Kleine präsentiert aktuell auf seinem Youtube-Kanal “Malenki” Anleitungen zum Messer- und Axtwerfen


Ältere Aufnahmen geben Einblick in die Messersammlung von Alexander Kleine


Kampfsport ist bei Alexander Kleine klar motiviert, die Posts enthalten Verweise auf den Song “Fascists”, CasaPound und “White Rex”


Alexander Kleine hat als Jäger Zugang zu Schusswaffen

Zusätzlich zur dargestellten Gewaltaffinität, die sich auch an Besuchen der Imperium Fight Championship zeigt, inszenierte sich Kleine auch als rechter Aktivist. Teil dieser Inszenierung war die Dokumentation von gebastelten Schildern, die für das rechte Geldsammelnetzwerk “Ein Prozent für unser Land” warben. Als Teil dieser Selbstdarstellung gilt auch das T-Shirt mit dem Aufdruck “Defend the Occident” (übersetzt “Verteidige das Abendland”), welches vom Haus Montag aus Pirna stammt. Das Haus Montag stellt den Versuch der NPD dar, das Konzept der faschistischen CasaPound in Deutschland zu etablieren [7]. Bemerkenswert ist an dieser Stelle zudem, dass sich Kleine in den Räumlichkeiten der Burschenschaft Arminia zu Leipzig aufhielt und dort Sticker der Identitären Bewegung bastelte.


Schilder für “Ein Prozent” und Fotos von Legida-Demonstrationen


T-Shirts von “Haus Montag” und von der IB Magdeburg


Alexander Kleine und wahrscheinlich Ina Alles bereiten Aufkleber vor (oben links), die später auch vom Account der IB Leipzig präsentiert werden (unten)


Möbel und Geschirr in den Bilder von Mitgliedern der IB Leipzig (oben) und von der “Burschenschaft Arminia zu Leipzig” (unten) sind gleich

Neben Aktionen in Halle, dem Sitzen vor der geschlossenen CDU-Parteizentrale am 21.12.2016 in Berlin und dem Auftritt als Versammlungsleiter während der gescheiterten Stürmung des Bundesministeriums für Justiz am 19.05.2017, ebenfalls Berlin, [8] lassen sich Kleine Beteiligungen an Aktionen in Leipzig nachweisen. Er war am Banner-Drop während des Katholikentages 2016 in Leipzig beteiligt, sowie an den Altpapierwürfen in den Höfen am Brühl im Juli 2016. Im Falle letzterer Aktion wurde durch die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt aufgenommen. Es ist naheliegend, dass Kleine die entsprechenden Aktionsvideos produziert hat. Auch in Dresden beteiligte er sich hin und wieder an kleineren Aktionen, auch im Umfeld von Pegida. Auffällig ist außerdem, dass Kleine Anfang März 2016 mehrere Fotos postete, die gefälschte Plakate der Grünen zeigen. In der Nacht zum 07.03.2016, kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wurden von Unbekannten zahlreiche Plakate mit diesen und ähnlichen Motiven in Halle und Magdeburg angebracht. [9]


Alexander Kleine mit Kontrakultur Halle bei einer Aktion von “Ein Prozent”, Anfang August 2016 in Ansbach


Alexander “Malenki” Kleine mit Philip Thaler, Fabian Lux, Ina Alles, Luca Kerbl (hintere Reihe von links nach rechts) und “Paula Winterfeldt” (rechts neben Kleine) am 21.12.2016 vor der CDU-Parteizentrale (Foto: Presseservice Rathenow [10])


Alexander Kleine als uniformierter Versammlungsleiter nach der gescheiterten Aktion am Bundesjustizministerium in Berlin am 19.05.2017 (Foto: Theo Schneider [11])


Das Video zur Aktion der IB Leipzig am 28.05.2016 anlässlich des Katholikentags ist mit der Stimme von Alexander Kleine unterlegt


Bei einer Aktion der IB Leipzig am 09.07.2016 wirft u.a. Alexander Kleine Papierschnipsel in den Höfen am Brühl


Alexander Kleine mit anderen Identitären, die am 18.12.2016 in Dresden eine Versammlung von Nope fotografieren und stören


Fotos gefälschter Grünenplakate bei Alexander Kleine, gepostet am 07.,08. und 09.03.2016

Durch seine gemeinsame Tätigkeit mit Philip Thaler als Vlogger trat Kleine Ende Oktober 2016 unter seinem selbstgewählten Pseudonym “Malenki” auf dem rechten Kongress “Europäisches Forum Linz – Verteidiger Europas” auf. Er nahm dort an einem Podien zum Thema “Alternative Medien” teil. [12]

Weiterhin versucht sich Kleine unter dem Pseudonym “rabaukenart” in Leipzig als Sprayer. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass es in Leipzig auch zu IB-Aktionen mit Farbspray und besprühten Fliesen kam, Mitteln aus den Bereichen Graffiti und Street Art und nicht wie andernfalls das von Identitären gern verwendete Kreidespray. [13]

Durch seine Verbundenheit mit der subkulturellen Naziszene, der Fanszene Lokomotive Leipzig, mit Kampfsport und Graffiti, und durch seine relative Bekanntheit, Präsenz bei überregionalen IB-Aktionen und seine Vlogs dürfte Kleine eine erhebliche Anziehungskraft auf weitere Personen ausüben, sich der Identitären Bewegung Leipzig anzuschließen. In Ansätzen ist dieses Mobilisierungspotenzial bereits ersichtlich, kam es in jüngster Zeit zu einem Anstieg kleinerer identitärer Aktivitäten in Leipzig. Kleine selbst stellt zusätzlich ein Bindesglied zwischen der IB Leipzig und der Kontrakultur Halle dar, der er ebenfalls zugerechnet werden kann. [8,14] Weiterhin zeigt die Personalie Kleine einmal mehr, dass die Identitäre Bewegung für Personen mit Verbindungen zur subkulturellen Naziszene ein attraktives Betätigungsfeld ist.

Felix Koschkar

Während Alexander Kleine die Verbindung zwischen IB und der sogenannten klassischen Neonaziszene darstellt, verkörpert Koschkar den Schulterschluss zwischen AfD und IB. Felix Koschkar wurde im Oktober 2016 zum Schatzmeister der Jungen Alternative Leipzig gewählt und ist Mitbegründer und Bundesvorstandsmitglied der “Patriotischen Plattform” [15,16]. Der Student des Wirtschaftsingeneurswesens an der HTWK Leipzig war bereits im Mai 2014 mit einer Fahne der IB Leipzig auf der Demo der Identitären in Wien vertreten. Die gleiche Fahne präsentierte Koschkar im Video der “Elsterfunken Leipzig” [3]. Wenig überraschend ist es daher, dass Koschkar die IB innerhalb der Patriotischen Plattform verteidigt. [17] Jedoch pries Koschkar nicht nur innerhalb der AfD die IB an, sondern warb auch umgekehrt innerhalb der IB bereits 2014 für Mitgliedschaften in der AfD und da insbesondere für die “Patriotische Plattform”: „Wenn jemand von euch zur AfD will, dann ist die PP euer Ansprechpartner. Sprecher der PP ist der habilitierende Islamwissenschaftler [Hans-Thomas] Tillschneider — überzeugter Leipziger Identitärer.“ [18]


Mitglieder der Patriotischen Plattform auf dem Khyffhäuserdenkmal 2015 (v.l.n.r. Roland Ulbrich, Hans-Thomas Tillschneider, Uta Nürnberger, Felix Koschkar)


Felix Koschkar (rechts) Veranstaltung der Jungen Alternative Sachsen am 08.01.2017 in Dresden


Felix Koschkar mit Fahne der IB Leipzig am 17.05.2014 in Wien


Felix Koschkar im Video der “Elsterfunken Leipzig”

In einem Zeit-Artikel über die rechten Verknüpfungen der Jungen Alternative vom 29. Januar 2015, und somit vor der Anerkennung der JA als offizieller Jugendorganisation der AfD, heißt es über Koschkar, der damals Mitglied des JA-Landesvorstands war [19]:

“Das nächste Mal kam Vanessa (Klarname ist dem Autor*innen-Kollektiv bekannt) ins Grübeln, als sie beim regelmäßigen Stammtisch der JA Sachsen Felix Koschkar kennenlernt. “Der hatte echt was gegen Ausländer”, erinnert sich Vanessa an Koschkar, der sich damals offen für die Identitäre Bewegung engagierte. Zu Hause recherchiert sie im Netz zu der Organisation, die auch im Fokus des Verfassungsschutzes steht und deren Anhänger von Kennern der rechtsextremen Szene als “Neonazi-Hipster” bezeichnet werden. Vanessa ist schockiert. “Für die Identitären hat er bei uns auch Werbung gemacht”, erzählt sie. Bei der JA habe das niemanden groß gestört.”

Koschkar ist Mitglied der Burschenschaft Arminia zu Leipzig und nimmt aktiv an Veranstaltungen der Leipziger Studentenverbindungen teil. Im Umfeld der Patriotischen Plattform und auch in der Identitären Bewegung ist eine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft oder einer anderen Studentenverbindung nicht ungewöhnlich. Unter den hier präsentierten Führungsfiguren der IB Leipzig nimmt Koschkar als einziger Verbindungsstudent jedoch eine gewisse Sonderrolle ein. Es ist naheliegend, dass Koschkar Kleine den Zugang in die Räume der Arminia Leipzig verschafft hat.

Wie auch aus dem zitierten Zeit-Artikel hervorgeht, beteiligte sich Koschkar regelmäßig an den Aufmärschen des Leipziger Pegida-Ablegers Legida. Zwar gab es auf der Legida-Demo am 15.06.2015 eine Art IB-Block, der den Leiter der IB Sachsen Tony Gerber aus Zwickau bei seiner Rede anfeuerte, jedoch beteiligte sich Koschkar auch unabhängig von offenen Auftritten der IB an Legida-Aufmärschen.

Dubravko Mandic (l.), Alexander Gauland (m.) und Felix Koschkar beim Festkommers der Deutschen Burschenschaft 2016


Felix Koschkar (vorne links) auf einem Legida-Aufmarsch (Datum unbekannt, aus “Immobilien, Geld und Hassmusik – Die Netzwerke der Neonazis”, MDR [20])

Koschkars fortwährende Funktion als Bindeglied zwischen Identitärer Bewegung und AfD/JA wird auch in seiner Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen beider Gruppen im vergangenen Jahr deutlich. Beispielsweise beteiligte sich Koschkar im März 2016 in Halle an einer Straßentheater-Aktion der Kontrakultur Halle. Im Juni 2016 nahm Koschkar mit Dubravko Mandic an der Demonstration der IB in Wien teil, wie auch Alexander Kleine und zahlreiche Mitglieder von Kontrakultur Halle. Im September 2016 war Koschkar an einer Demonstration der AfD in Dessau beteiligt.


Martin Sellner (links), Dorian Schubert (maskiert) und Felix Koschkar (hinten rechts) bei einer Aktion der Kontrakultur Halle am 09.03.2016


Dubravko Mandic und Felix Koschkar bei einer Demonstration der IB in Wien am 11.06.2016


Felix Koschkar mit AfD-Schild und IB-Pullover, neben Claudia Backhaus (AfD, ehemals PP) am 05.09.2016 in Dessau (Foto: Mario Bialek [21])

Ina Alles

Ähnlich wie Felix Koschkar bewegt sich Ina Alles sowohl in der Jungen Alternative, als auch in der Identitären Bewegung, tut letzteres aber – anders als Koschkar mittlerweile – öffentlich und öffentlichkeitswirksam. Die 26-jährige Romanistikstudentin ist zusätzlich zu ihrer Mitgliedschaft in der Identitären Bewegung Beisitzerin im Vorstand der Jungen Alternative Leipzig, ist aber auch auf Ebene der JA Sachsen aktiv, wie bspw. am 3. Februar 2017 bei einer Aktion in Dresden oder als Teilnehmerin an der berüchtigten Höcke-Rede am 17. Januar 2017 in Dresden.


Aktion der Jungen Alternative Dresden mit Beteiligung von Felix Koschkar (2. Reihe, 3. von links) und Ina Alles (1. Reihe, 3. von links)


Ina Alles und Fabian Lux (grün umrandet) bei der Björn-Höcke-Rede im Ballhaus Watzke (Dresden) am 17.01.2017

Alles unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Kadern der Kontrakultur Halle. Die Verbindung zur Kontrakultur wird bspw. durch ihre Mitwirkung am Video “Grußbotschaft an die Frauen” aus dem Dezember 2016 deutlich, in dem sie gemeinsam mit Melanie Schmitz von Kontrakultur Halle und “Paula Winterfeldt” von der IB Berlin-Brandenburg vor der Kamera stand. Das Video versuchte die Übergriffe der Silvesternacht 2015/16 am Kölner Hauptbahnhof zur Schürung rassistischer Vorurteile zu benutzen und ein generalisiertes, rassistisch motiviertes Bedrohungsszenario heraufzubeschwören. Ina Alles war zuvor bereits an dem Video der “Elsterfunken Leipzig” beteiligt, ebenfalls an der Seite vieler Kader der Kontrakultur Halle. [3] Auch bei Ina Alles, ähnlich wie bei Alexander Kleine, verraten Kontakte und Interaktionen in den Sozialen Medien Begeisterung für faschistische und völkische Inhalte und Ästhetik, unter anderem mit Bezug auf das Dritte Reich und die Darstellung von Wehrmachtssoldaten und Nazis mit Hakenkreuzbinden.

Ina Alles im Video der Kontrakultur Halle


Ina Alles im Video der Elsterfunken Leipzig, erkennbar an Haarfarbe zu der Zeit (nächstes Bild), Halspartie (übernächstes Bild) und Jacke (siehe Video zur IfS-Winterakademie 2017)


Ina Alles mit Alexander Kleines Handfeuerwaffe und Pfefferspraysammlung


Vergleichsbild von Ina Alles mit derselben Kette wie im vorherigen Bild

Weiterhin beteiligte sich Alles am Sit-in vor der geschlossenen CDU-Parteizentrale am 21.12.2016, woran auch zahlreiche Kader der Kontrakultur Halle teilnahmen. Neben Kontakten nach Halle sind auch Verbindungen zu führenden Kadern der Identitären Bewegung Österreich verbürgt. Für die Vernetzungen identitärer Strukturen im deutschsprachigen Raum untereinander sind die Veranstaltungen des “Instituts für Staatspolitik” von entscheidender Rolle. Im Februar 2017 nahm Alles an der IfS-Winterakademie in Schnellroda teil. Von März 2017 bis Ende Mai 2017 hielt sich Alles hauptsächlich bei der Familie ihres Freundes Fabian Lux in Österreich auf.


Ina Alles (weiße Mütze) mit u.a. Alexander Kleine (vor ihr) am 21.12.2016 vor dem Konrad-Adenauer-Haus (Foto: Presseservice Rathenow [10])


Ina Alles (vorn) und Fabian Lux (dahinter) im Video zur IfS-Winterakademie 2017

Fabian Lux

Lux stammt aus dem kleinen Ort Öblarn in der Steiermark (Österreich). Bereits im Juli 2016 hielt er sich mit Martin Sellner und Jörg Dittus in Halle auf und nahm an gemeinsamen Aktionen mit der Kontrakultur Halle teil. Lux war häufig im Zentrum der IB in Österreich anzutreffen und genießt das Vertrauen des Leiters der IB Steiermark Luca Kerbl. Auf dem rechten Kongress “Europäisches Forum Linz – Verteidiger Europas” im Oktober 2016 in Graz, auf dem auch Kleine auftrat, fungierte Lux als Ordner [22].


Fabian Lux mit weiteren Mitgliedern der IB Österreich bei einer Aktion von Kontrakultur Halle am 09.03.2016 in Halle

Von November 2016 bis März 2017 hielt Lux sich in Leipzig auf und nahm in dieser Zeit auch an der IfS-Winterakademie in Schnellroda teil. Am 21.12.2016 saß er gemeinsam mit Identitären aus u.a. Halle, Leipzig und Österreich als Aktion vor der CDU-Parteizentrale in Berlin. Fabian Lux beteiligte sich an der Schnipselaktion in Connewitz am 12. März 2017, indem er als Beifahrer Papier aus dem Auto warf. Seit Ende März 2017 hält er sich überwiegend in Österreich auf. Dort nahm er gemeinsam mit seiner Freundin Ina Alles beispielsweise am 5. Mai in Graz an einem Vortrag von Martin Sellner teil. Darüber hinaus zeigt Lux virtuell Sympathien für die Nazikleinpartei “Der III. Weg”.


Fabian Lux auf der Anreise zur IfS-Winterakademie am 17.02.2017 (dahinter Ina Alles) (Foto: Lucas Beyer [23])


Fabian Lux wird nach der Aktion in Berlin am 21.12.2016 abgeführt (Foto: Presseservice Rathenow [10])


Vergleich von Uhr und Ring bei Fabian Lux und beim Beifahrer der Schnipselaktion am 12.03.2017 in Connewitz


Fabian Lux und Ina Alles bei einem Vortrag von Martin Sellner am 05.05.2017 in Graz


Luca Kerbl (Leiter IB Steiermark) feiert die Rückkehr von Fabian Lux aus Leipzig


Auszug der Facebooklikes von Fabian Lux im Dezember 2016 (Quelle: twitter.com)

Christian Müller

Christian “Ostpack” Müller 2016 und aktuell (Verpixelung durch ihn selbst)

Der Juli 1998 geborene Abiturient agiert unter dem Namen “Ostpack” vorwiegend als Kleines Kameramann. Verschiedene Videos des Youtube-Kanals “Malenki” wurden teilweise oder komplett von Müller gefilmt, bspw. die Messer- und Axtwerftutorials, Teile des Besuchs in der alten Sternburgbrauerei in Leipzig oder verschiedene Szenen im Garten der Familie Kleines. Müller hegt ähnlich wie Kleine Sympathien für Lokomotive Leipzig und spielt selbst aktiv Fußball, in der Saison 2016/17 in der U19-Mannschaft der SpG Großsteinberg/Naunhof. Müller selbst ist die Beteiligung an verschiedenen Aktionen nachzuweisen: So war er an der Aufhängung verschiedener Banner der Identitären in Leipzig im Jahr 2017 beteiligt, zuletzt an der “Grußbotschaft” an die Gäste des WGT am 2. Juni 2017. Als Kameramann war er indirekt an dem gescheiterten Versuch der Erstürmung des Bundesjustizministeriums am 19. Mai 2017 beteiligt. Aufgrund der relativen Nähe zu seinem Wohnort ist naheliegend, dass Müller an den Plakatieraktionen in Probstheida und Mölkau beteiligt war. [13]


Kleine über seinen Kameramann Müller auf Youtube


Müller (Verpixelung durch ihn selbst) im Garten von Familie Kleine

Eine weitere Gemeinsamkeit mit Kleine ist Müllers Hobby Graffiti. Müller benutzte dabei zeitweise das Pseudonym “kronoz” und tritt mittlerweile unter dem Namen “TRAM” auf.


Müller als “kronoz” im Februar 2017


Aktuelleres Graffito von Müller

Fazit

Trotz der, insbesondere mit Halle verglichen, relativ geringen Anzahl der halbwegs offen auftretenden Kader der IB Leipzig lassen sich aus der Darstellung dieser Personalien interessante Schlüsse ziehen. Wie die zweifache Zuordnung von Alexander Kleine, sowohl zur Identitären Bewegung Leipzig als auch zur Kontrakultur Halle zeigt, sind bedingt durch die Nähe der beiden Städte die beiden Gruppen nur schwer voneinander abzugrenzen. Ebenso illustriert der Auftritt von Ina Alles gemeinsam mit Schmitz und “Winterfeldt”, dass es enge Verbindungen zwischen den Kadern der einzelnen IB-Gruppen gibt. Generell scheint die IB Leipzig ohne Kontrakultur Halle nur schwer denkbar zu sein. Beispielsweise war Alexander Kleine, der nach eigener Aussage mittlerweile als Leiter der IB Leipzig fungiert, am Anfang seiner Zeit in der IB in Halle aktiv. Am Versuch, mit den Elsterfunken Leipzig Ende 2015 eine der Kontrakultur Halle ähnliche identitäre Gruppe in Leipzig zu etablieren, waren zahlreiche Kader der Kontrakultur Halle beteiligt. Weitere Personen, die sich der zweiten Reihe der IB Leipzig zuordnen lassen, weisen ebenfalls starke Verbindungen nach Halle auf. Die zeitweise Beteiligung von Fabian Lux bei Aktionen der IB Leipzig und der Kontrakultur Halle ist zudem ein Beispiel für die starke Vernetzung zwischen der IB Österreich und Identitärer in Deutschland, insbesondere zwischen der IB Österreich und der Kontrakultur Halle.

Anhand von Kleine und vor allem Felix Koschkar lässt sich nachvollziehen, dass die IB Leipzig auf burschenschaftliche Infrastruktur zurückgreift. Alexander Kleines Selbstverständnis als Faschist, seine Kontakte in die Neonaziszene und seine momentane Funktion als Leiter der IB Leipzig zeigen deutlich, dass die Identitären in Leipzig für das neonazistische Spektrum offen sind. Außerdem spielt insbesondere Kleine für die Anwerbung weiterer, zum Teil minderjähriger Mitglieder eine entscheidende Rolle, dies zeigt sich bspw. anhand von Christian Müller, der über Kleine den Weg zur IB fand. Auffällig ist, dass die Rekrutierung neuer Aktivisten und Aktivistinnen bisher vor allem im südöstlichen Umland von Leipzig und über die Fanszene Lok Leipzigs erfolgt.

Zusätzlich sind mit Felix Koschkar und Ina Alles zwei von fünf Mitgliedern des Kreisvorstands der Jungen Alternative Leipzig aktiv in der Identitären Bewegung. Somit bieten sich für die IB Leipzig noch weitere Möglichkeiten an (auch finanzielle) Ressourcen zu gelangen. Koschkar nutzt seine Aktivitäten innerhalb der IB und der AfD zur Verstärkung der Vernetzung zwischen beiden Organisationen, indem er die Gruppen innerhalb der jeweils anderen Organisation bewirbt und versucht Mitglieder der IB in die AfD einzuschleusen.

Quellen